GESCHICHTE

KLINIKUM AM EUROPAKANAL ERLANGEN

Das Klinkum am Europakanal in Erlangen ist das älteste der drei Fachkrankenhäuser der Bezirkskliniken Mittelfranken. Das Haus liegt heute - nach einem Standortwechsel zu Beginn der 70er Jahre - in einer weitläufigen, parkähnlichen Anlage direkt am Europakanal.

Als erste bayerische "Irrenanstalt" wurde 1846 der Vorläufer des Klinikums am Europakanal eröffnet. Somit ist es das älteste der drei Fachkrankenhäuser der Bezirkskliniken Mittelfranken. Obwohl die Behandlung psychisch kranker Menschen damals noch in den Kinderschuhen steckte, war die Erlanger Anstalt für die damalige Zeit bereits fortschrittlich. Es wurde versucht, die Patientinnen und Patienten beispielsweise in der Küche oder bei der Gartenarbeit zu beschäftigen. Daneben wurden jedoch auch Methoden wie zum Beispiel Zwangsjacken, Opium oder Fixierungen eingesetzt. Ab 1914 diente den Patienten zudem ein ehemaliger Gutshof in Uttenreuth als landwirtschaftlicher Betrieb zur Arbeitstherapie.

In den 20er Jahren rief der damalige Direktor Gustav Kolb eine Reform ins Leben, die die Erlanger Anstalt weltweit bekannt machen sollte. Er versuchte, die Patienten frühstmöglich zu entlassen und sie außerhalb der Klinik von Psychiatern und Pflegern weiterbehandeln zu lassen. Psychiater aus aller Welt kamen daraufhin nach Erlangen, um das neue Konzept der offenen Versorgung zu begutachten.

Nachdem die Erlanger Anstalt für ihre offene Versorgung der Patienten weltweit Anerkennung erhalten hatte, folgte kurz darauf das wohl dunkelste Kapitel ihrer Geschichte.

Im Zeitraum zwischen dem 1. November 1940 und dem 24. Juni 1942 wurden insgesamt 907 psychisch kranke Patienten von Erlangen aus in die Tötungsanstalten Sonnenstein bei Pirna und Hartheim bei Linz deportiert. In den Jahren 1942 bis 1945 starben außerdem mindestens tausend Patientinnen und Patienten aufgrund des "Hungerkosterlasses".

In Erinnerung an die ermordeten Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen wurde im Jahr 1996 ein Mahnmal vor dem ehemaligen Direktionsgebäude der Anstalt, am Maximiliansplatz in Erlangen, errichtet. Gestaltet wurde das Mahnmal von dem Erlanger Bildhauer Bernhard Rein.

Im Jahr 2007 wurden außerdem Stolpersteine gegen das Vergessen für 27 jüdische Opfer der Euthanasie am Maximiliansplatz 2 in Erlangen verlegt.

Nach dem Krieg wollte man in Erlangen an die großen Erfolge vor der Machtübernahme Hitlers anknüpfen. So entwickelten sich die Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen enorm weiter. 1952 wurden Patienten erstmals erfolgreich mit Psychopharmaka behandelt.

1978 wurde der Neubau des Klinkums am Europakanal Erlangen eingeweiht, der es zu einem modernen 1000-Betten-Haus machte. Rund 20 Jahre später reduzierte man die Bettenzahl jedoch wieder auf rund 630. Außerdem wurde 1986 der landwitschaftliche Betrieb in Uttenreuth in ein Wohn- und Pflegeheim für psychisch kranke Menschen umgewandelt. Seit 2000 konzentriert man sich dort nur noch auf das soziotherapeutische Wohnangebot. Es ist als Soziotherapeutisches Wohnheim Eggenhof bekannt.

2005 wurde schließlich auch das Klinikum am Europakanal Erlangen Teil des neuen Kommunalunternehmens "Bezirksklinken Mittelfranken".

KONTAKT

Klinikum am Europakanal Erlangen
Am Europakanal 71
91056 Erlangen
Telefon: 09131 753-0 (Zentrale)

Ansprechpartner

Harald Niebler
Kaufmännischer Leiter Erlangen
Telefon 09131 753-2342