30 Jahre Reha-Abteilung für Alkoholabhängige Haus 7 Ansbach, 17.01.2019

Ansbach, 17.01.2019: Das vielfältige Therapiespektrum der Rehabilitations-Abteilung für Alkoholabhängige im Haus 7 im Bezirksklinikum Ansbach stand gestern im Mittelpunkt eines Fachsymposiums für zuweisende Ärzte, Vertreter von Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen und Kostenträgern sowie Mitarbeitern. Damit wurde gleichzeitig das 30jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert.

Alkoholismus ist die in Deutschland am weitesten verbreitete Abhängigkeitserkrankung und macht den größten Anteil innerhalb aller Süchte aus. Laut Bundesministerium für Gesundheit konsumieren rund 9,5 Millionen Menschen in Deutschland Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Etwa 1,8 Millionen Menschen gelten dabei als alkoholabhängig.

Einzigartige Reha-Einrichtung in der Region

Diese Zahlen zeigen wie groß der Bedarf und die Notwendigkeit von Maßnahmen im Rahmen der Suchtrehabilitation sind. Haus 7 im Bezirksklinikum Ansbach ist in der Behandlung von Alkoholabhängigen in Mittelfranken seit 30 Jahren eine gut vernetzte, feste Größe und zwischenzeitlich die einzige Reha-Einrichtung für Alkoholabhängige zwischen 20 und 70 Jahren in der Region.

„Haus 7 ist mit seinen 24 Plätzen und zwei Therapiegruppen beispielhaft für moderne Psychiatrien“, erläuterte Prof. Dr. Zink, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirksklinikum Ansbach gegenüber den rund 95 Teilnehmern des Symposiums.

Das multiprofessionelle Team aus Ärzten, Psychologischen Psychotherapeuten, Psychologen, Sozialpädagogen, Ergo- und Sporttherapeuten sowie Pflegekräften zeigt seit drei Jahrzehnten alkoholabhängigen Männern und Frauen Wege aus ihrer Abhängigkeit.

Bei der Therapie setzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Station u. a. auf das Rückfallprä-ventionstraining S.T.A.R. Dieses strukturierte Rückfallpräventionsprogramm für Alkoholabhängige wurde von der Psychologin Christine Schindler und Prof. Körkel, Professor an der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg, entwickelt, die praktische Umsetzung, Erprobung und Evaluation erfolgte in Haus 7. Das Programm wird mittlerweile in vielen Kliniken und Suchtberatungsstellen eingesetzt und vermittelt den Betroffenen Kompetenzen, um einem erneuten Alkoholkonsum gezielt vorzubeu-gen.

„Vor 30 Jahren wurde ein Rückfall moralisch bewertet, als etwas, was auf keinen Fall passieren darf,“ führt Christine Schindler aus. Um näher an der Lebenswirklichkeit der Patienten zu sein, wurden neue Konzepte entwickelt. „Mit S.T.A.R. setzen wir jetzt auch darauf, den Patienten auf einen möglichen späteren Rückfall vorzubereiten und Strategien an die Hand zu geben, mit denen es gelingen kann, nach einem erneuten Trinken schnell wieder zur Abstinenz zurückzufinden.“

Nahtlose Versorgung im Bezirksklinikum Ansbach

Die Suchtreha oder Alkoholentwöhnung greift erst nach einer körperlichen Entgiftung. Das Bezirks-klinikum Ansbach bietet den Patientinnen und Patienten eine nahtlose Versorgung an – vom qualifi-zierten Entzug in den Stationen S1 und S2 bis zur anschließenden Entwöhnung in Haus 7. „Damit haben wir das Ziel, das wir uns 1988 mit der Gründung von Haus 7 gesetzt haben, Alkohol-abhängigen einen schnellen Zugang zu einer Entwöhnungsbehandlung zu geben, verwirklicht. Nicht nur das - diese schnelle und nahtlose Versorgung von Alkoholabhängigen ist in Bayern einzigartig“, betont der Leitende Psychologe und Psychotherapeut der Einrichtung Gerhard Grohe. Zukünftig solle die Zusammenarbeit mit den regionalen Suchtberatungsstellen durch eine Kombination ambu-lanter und stationärer Therapie noch enger verzahnt werden.