Ansbach – Mit dem Schulabschluss in der Tasche eine Ausbildung beginnen: Was für viele Schülerinnen und Schüler selbstverständlich ist, ist für 15 Patienten der Klinik für Forensische Psychiatrie am Bezirksklinikum Ansbach ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben nach der Therapie.
Die Männer wurden im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung oder einer Suchterkrankung straffällig und werden auf gerichtliche Anordnung in der Klinik für Forensische Psychiatrie behandelt. Viele von ihnen haben die Schule abgebrochen oder nie eine Schule besucht. Ein Teil von ihnen hat einen Migrationshintergrund und musste erst die Sprache lernen.
Ihre Zukunftswünsche unterscheiden sich jedoch kaum von denen anderer Schülerinnen und Schüler: eine Ausbildung zum Automobilkaufmann oder Fachinformatiker beginnen, einen höheren Schulabschluss erwerben oder neue berufliche Perspektiven entwickeln. Solche Ziele geben den Patienten Motivation und stärken sie auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft, wissen die Lehrkräfte Gerhard Sonnenleiter und Ronald Bauer, die am Bezirksklinikum unterrichten.
Umso größer ist ihre Freude über die erzielten Erfolge: Sechs Patienten erreichten den Qualifizierenden Mittelschulabschluss mit einem Notendurchschnitt von 2,33, neun weitere den Mittleren Bildungsabschluss mit einem Durchschnitt von 2,54. Für einige von ihnen geht das Lernen nach der Zeugnisübergabe nahtlos weiter, denn Sommerferien gibt es in der Klinik nicht.
Seit rund acht Jahren können Patienten ihren Schulabschluss am Bezirksklinikum nachholen. Die Bilanz dieses Angebots fällt durchweg positiv aus: „Wer sich für den Unterricht entscheidet, entscheidet sich gleichzeitig für eine aktive Gestaltung der eigenen Zukunft. Die Patienten zeigen Verlässlichkeit, indem sie pünktlich erscheinen, selbstständig lernen, Ausdauer beweisen und sich den Prüfungen stellen. Diese Fähigkeiten helfen ihnen nicht nur in der Schule, sondern auch auf ihrem weiteren Lebensweg“, sagt Dr. Martina Weig, Chefärztin der Forensischen Psychiatrie am Bezirksklinikum Ansbach und Leiterin des Maßregelvollzugs
Kooperation mit der Mittelschule Dietenhofen und der Luitpoldschule Ansbach
Für den (qualifizierten) Hauptschulabschluss kooperiert die Klinik für Forensische Psychiatrie mit der Mittelschule Dietenhofen, für den Mittleren Bildungsabschluss mit der Luitpoldschule Ansbach. Die 15 Schüler erhielten die gleichen Prüfungen wie ihre Kolleginnen und Kollegen im Klassenzimmer, nur dass sie diese innerhalb der Klinik ablegen mussten.
Lernen für den Neustart
Freitag, 07. August 2026
