Treuchtlingen, 29. Oktober 2026 – Ein Krankenhaus muss nicht wie ein Krankenhaus aussehen. Die neue Psychosomatische Fachklinik Altmühltal in Treuchtlingen erinnert mit ihrem großzügigen Foyer, wohnlichen Patientenzimmern und der Gartenanlage eher an ein Hotel. Doch die einladende Architektur ist mehr als eine schöne Kulisse. Sie ist Teil eines Konzepts, das spezialisierte Behandlung, universitäre Expertise und eine heilungsfördernde Umgebung verbindet.
Heute feierten die Bezirkskliniken Mittelfranken die Einweihung des Neubaus. Die Vorstände Stinne Fronius und Dr. Matthias Keilen begrüßten rund 130 Gäste aus Politik, Gesundheitswesen und Gesellschaft. Zu den Ehrengästen zählten Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach, Bezirkstagspräsident und Verwaltungsratsvorsitzender Peter Daniel Forster sowie Treuchtlingens Erste Bürgermeisterin Dr. Dr. Kristina Becker.
Neue Fachklinik stärkt psychosomatische Versorgung
Die Fachklinik eröffnet am 16. November. Nach der Anlaufphase bietet sie 143 Behandlungsplätze auf fünf Stationen, darunter eine Privatstation. Damit stärkt die neue Klinik die stationäre psychosomatische Versorgung in Mittelfranken – und wendet sich zugleich mit ihren spezialisierten Angeboten an Patientinnen und Patienten aus ganz Deutschland. Der Neubau kostete rund 79 Millionen Euro. Etwa die Hälfte trägt der Freistaat Bayern.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach betonte: „Nicht nur in den Ballungsräumen, sondern auch in ländlichen Regionen brauchen wir leistungsfähige und moderne Krankenhäuser, die eine hochwertige medizinische Versorgung gewährleisten. Das gilt insbesondere auch für den psychiatrischen und psychosomatischen Bereich. Durch den Neubau entsteht eine leistungsfähige Fachklinik, die die stationäre Versorgung für psychosomatisch erkrankte Menschen maßgeblich verbessert. Deshalb haben wir den Neubau der Fachklinik Altmühltal mit insgesamt über 40 Millionen Euro unterstützt.“
Mit der neuen Fachklinik stärkt der Bezirk Mittelfranken nicht nur die Gesundheitsversorgung, sondern auch den Standort Treuchtlingen. Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster, Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken Mittelfranken, betonte: „Ein Krankenhaus ist immer auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für seine Region. Mit der neuen Klinik entstehen in Treuchtlingen rund 100 qualifizierte Arbeitsplätze. Davon profitieren auch lokale Unternehmen und Dienstleister. So schaffen wir langfristige Perspektiven für die Menschen, die hier leben und arbeiten.“
Körper und Psyche gemeinsam behandeln
Zum Behandlungsspektrum gehören Depressionen, Angststörungen und Burn-out. Besondere Schwerpunkte liegen auf psychosomatischen Beschwerden im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen – etwa bei Long- und Post-Covid, Adipositas, chronischen Schmerzen oder nach einer Krebserkrankung. Auch ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen, vor allem Depressionen, finden in der Fachklinik Unterstützung.
So unterschiedlich die Krankheitsbilder sind, eines haben sie gemeinsam: Körperliche, psychische und soziale Faktoren können sich gegenseitig beeinflussen und zur Entstehung der Beschwerden beitragen. Deshalb setzt die Fachklinik auf individuell abgestimmte Therapien, die Erkrankung, Lebenssituation und persönliche Bedürfnisse berücksichtigen. Ein multiprofessionelles Team verbindet dafür Einzel- und Gruppenpsychotherapie mit Körper- und Bewegungstherapie, kreativen Therapien sowie Angeboten zur Entspannung und Stressbewältigung.
Die chefärztliche Leitung übernehmen Dr. Katharina Grobholz und Prof. Dr. Imad Maatouk. Beide bringen unterschiedliche medizinische Schwerpunkte ein: Grobholz verfügt über besondere Erfahrung in der Behandlung von Long- und Post-Covid sowie chronischer Erschöpfung. Maatouk ist Experte für Psychoonkologie. Er leitet am Universitätsklinikum Würzburg den Lehrstuhl für Integrierte Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, dem die Professur für Integrative Onkologie und die Psychoonkologie angegliedert ist.
Bezirkskliniken und Universitätsklinikum bündeln Expertise
Prof. Dr. Imad Maatouk ist nicht die einzige Verbindung zum Universitätsklinikum Würzburg. Die Bezirkskliniken Mittelfranken und das Universitätsklinikum haben darüber hinaus eine umfassende Zusammenarbeit vereinbart. Gemeinsam wollen sie Therapiekonzepte entwickeln und wissenschaftlich untersuchen. Neue Erkenntnisse sollen direkt in die Behandlung der Patientinnen und Patienten in Treuchtlingen einfließen.
„Menschen mit komplexen psychosomatischen Erkrankungen haben oft eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich“, erklärte Dr. Matthias Keilen, Vorstand Medizin der Bezirkskliniken Mittelfranken. „Sie haben unterschiedliche Behandlungen durchlaufen, ohne dass sich ihre Beschwerden ausreichend gebessert haben. Gerade bei solchen Verläufen brauchen wir einen breiten medizinischen Blick. Die Kooperation mit dem Universitätsklinikum Würzburg eröffnet uns zusätzliche Möglichkeiten, passende Behandlungskonzepte zu entwickeln.“
Geplant sind außerdem digitale Anwendungen, die Patientinnen und Patienten auf ihre Therapie vorbereiten, während des Klinikaufenthalts unterstützen und die Nachsorge ergänzen. Darüber hinaus wollen beide Partner die Fachklinik als Standort für Forschung, Lehre und Weiterbildung entwickeln. Nach dem Universitätsklinikum Erlangen ist Würzburg der zweite universitäre Partner der Bezirkskliniken Mittelfranken.
Natur und Architektur als Teil des Behandlungskonzepts
Nicht nur die Therapie, auch die Architektur der Fachklinik ist auf die besonderen Anforderungen der psychosomatischen Behandlung abgestimmt. Das großzügige Foyer mit Naturstein aus der Region vermittelt bereits beim Betreten der Klinik eine einladende Atmosphäre. Warme Farben und natürliche Materialien wie Holz verleihen den hellen Patientenzimmern einen wohnlichen Charakter. Während die Zimmer Ruhe und Privatsphäre bieten, laden die Gemeinschaftsbereiche zu Begegnungen ein.
Für Bewegung stehen ein Fitnessraum, ein Sportplatz mit Basketballfeld sowie eine Kletterwand zur Verfügung. Die Gartenanlage mit Meditationswiese und Bocciabahn bietet Möglichkeiten für Erholung und gemeinschaftliche Aktivitäten. Auch die naturnahe Lage im Altmühltal mit ihren Wiesen und Wäldern gehört zum Konzept. So verbindet die Fachklinik eine hohe Aufenthaltsqualität mit einer Umgebung, in der Patientinnen und Patienten Abstand vom Alltag gewinnen und sich auf ihre Behandlung konzentrieren können.
„Mit der neuen Fachklinik schaffen wir einen spezialisierten Standort, der von der Architektur bis zum Behandlungskonzept auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen zugeschnitten ist“, erklärte Stinne Fronius, Kaufmännische Vorständin der Bezirkskliniken Mittelfranken. „Damit ergänzen wir unsere bestehenden medizinischen Angebote und stärken zugleich die wirtschaftliche Zukunft unseres Klinikverbunds.“
Die letzten Vorbereitungen laufen. Bei einem mehrtägigen Probebetrieb testet das Klinikteam die Abläufe unter realistischen Bedingungen. Am 16. November nimmt die Fachklinik die ersten Patientinnen und Patienten auf.
